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Ehrendoktorwürde für den Ozean der Weisheit

Fast immer, wenn der Dalai Lama Europa oder die USA besucht, wird ihm von irgendeiner Universität ein Ehrendoktorhut angetragen. Im Sommer 2009 führt ihn sein Weg nach Hessen, wo sein Freund Roland Koch regiert. Und die Universität Marburg beeilt sich, den Ozean der Weisheit in den Stand eines Doktors honoris causa zu erheben.
Zur Begründung wird das wissenschaftliche Wirken des Dalai Lama angeführt. Seine Leistung bestehe darin, „das Wesen des tibetischen Buddhismus in authentischer, aber doch in einer für ein breiteres Publikum verständlichen Form dargelegt“ zu haben. Außerdem haben er Wissenschaftler und Studierende über die „esoterischen Lehren des tibetischen Buddhismus“ belehrt, so dass sich „sein Wissen maßgeblich auch in deren Veröffentlichungen niedergeschlagen“ habe.
Daß Plaudereien über esoterische Hirngespinste an der Universität Marburg heute als wissenschaftliche Leistung durchgehen, deutet den Niedergang dieser Hochschule an, die einst als Hochburg kritischer Gesellschaftsanalyse galt. Wer einen Blick in die zahlreichen Veröffentlichungen des Dalai Lama wirft, wird dort wenige Passagen von wissenschaftlichem Niveau finden. Gerade seine „populären“ Schriften reichen intellektuell selten über Kalenderspruchweisheiten hinaus. Und die Darstellung der eigenen religiösen Position dem wissenschaftlichen Diskurs zuzurechnen, ist ungefähr so einleuchtend wie einem Politiker einen Ehrendoktorhut aufzusetzen, weil er das Grundsatzprogramm seiner Partei vorlesen kann.
Eingespurt hat die Sache offenbar Prof. Dr. Michael Hahn aus dem Fachgebiet Indologie und Tibetologie.

Weitere Informationen bietet die Webseite der Brights Marburg:
Zum Marburger Ehrendoktorat des Dalai Lama
Dalai Lama ohne wissenschaftliche Verdienste